Der Tag hatte für ihn ein bißchen schwierig angefangen. So wurde ich früh um sieben per Telefon aus dem Bett geworfen um mit den Haustrollen zur Königin-Mutter zu wandern, Konflikt schlichten, Nerven beruhigen, die richtigen Worte finden und frische Croissants zu bringen.
In der Welt meines Bruders sieht alles ein bißchen anders aus als in der unseren. Das Leben ähnelt einer Vorabendserie, die Darsteller des Lebens seines Filmes sind bester Intentionen, naif, warmherzig, verträumt, offen, tolerant. Die Anderen, also alle, die nicht wissen, dass sie in seinem Film mitspielen, sind (Gott sei Dank nicht alle!) eher das Gegenteil: immer in Eile, schroff, ernst, gestresst, unsympathisch. Ab und zu lichtet sich der Schirm vor den Augen meines Bruders und dann bricht für ihn eine Welt zusammen, es gibt nicht vieles was ihn trösten kann, manchmal sind es nur offene Arme die Tränen empfangen können. Heute war also so ein Tag.
Grossen Leiden, grosse Mittel, ein Bruder-Schwestertag musste her. Wir haben die Haustrolle anderswo untergebracht und sind Richtung Stadt gezogen, denn das Purzeltier musste geschoren werden. Und ich glaube, es ist eine Ewigkeit her gewesen, das wir solch einen Bruder-Schwestertag hatten.
Ich wusste, das es da ist. Die Zeitung hat davon berichtet. Und von dem Küchenfenster der Wohnung auf dem Dach kann ich es ja sehen, besonders am Abend, wenn es beleuchtet ist.
Seine Augen haben nur geleuchtet und eine stumme Frage gebildet. Ja, komm wir fahren Riesenrad! Einmal die Stadt von oben sehen. Schauen, ob man von da oben auch die Wohnung auf dem Dach sieht. Ein bißchen Abstand von all diesen Menschen nehmen, die ihm manchmal das Leben so schwer machen. Dem Himmel ein Stückchen näher kommen, Kräfte sammeln, und dann den Nachmittag zusammen geniessen!







